Und wieviel Heilsegoismus steckt in dir?

Ich liebe die Eucharistie. Sie trägt mich und mein Leben. Und ich bin sehr dankbar, dass ich seit meiner Erstkommunion diese sakramentale Verbindung mit dem eucharistischen Herrn schätzen und durchgängig leben darf. Die Eucharistie gibt mir Halt, ist das Fundament in meinem Leben und ordnet meine begrenzten Erdentage hin auf mein himmlisches Ziel.

Stellvertretung

Mit zunehmenden Alter habe ich entdeckt, dass ich nicht nur für mich und mein Seelenheil in die Messe gehe, sondern für das Heil der Welt. Diese Idee der Stellvertretung hat mich fasziniert: Ich beschwere mich nicht mehr über andere und verurteile sie im Herzen, weil sie nicht in die Messe gehen, sondern sehe das als meine Aufgabe, für diese Menschen stellvertretend vor Gott zu treten.

Ich für sie – weil Er für uns.

Das ist die eucharistische Logik der Hingabe: Ich gebe mein Beten und Leben für andere hin, weil Jesus sich für uns am Kreuz hingegeben hat, damit wir das (ewige) Leben haben und es in Fülle haben.

Himmlische Communio

Außerdem fasziniert es mich, dass wir nicht nur eine irdische Gemeinschaft haben, sondern zugleich in den Thronsaal Gottes eintreten, mit den Engel, die ihr Heilig singen, und mit allen Heiligen. Ja, es ist schön, eine bekannte Gemeinschaft zur Feier der Eucharistie zu haben – abgesehen von der Gefahr, dass dann diese Gemeinschaft sich selbst feiert – aber auch das Umgekehrte stimmt: Eucharistie zu feiern stiftet eine schöne Gemeinschaft mit bislang unbekannten Menschen. Eucharistie holt immer auch andere, letztlich: die Welt, in die Eucharistie hinein und verwandelt sie in Gemeinschaft, communio.

Tödlicher Sonntag?

Das Bekenntnis von frühchristlichen Märtyern „Ohne Sonntag können wir nicht leben“ spricht mir aus dem Herzen und doch sind wir jetzt in einer Situation, in der wir fast (!) sagen müssten: „Mit dem Sonntag könnt ihr nicht leben“, also mit der Gewissenslast, dass jemand sein Leben verliert, nur weil ich in die Kirche gehen wollte. Seien wir ehrlich: Die Einnahme der „Arznei der Unsterblichkeit“ birgt momentan die gefährliche Nebenwirkung in sich, dass wir einander den Tod bringen können. Da haben die einen Todesangst, die anderen betreiben einen Heilsegoismus. Beides entspricht nicht einer eucharistischen Herzenshaltung.

Todesangst

Vielleicht wirst du sagen: Wann, wenn nicht jetzt, brauchen wir die Eucharistie? Als Heilmittel gegen unsere Ängstlichkeit, als Nahrung für das ewige Leben? Als Überwindung unserer Todesangst, denn wenn wir sein Fleisch essen und sein Blut trinken, haben wir das ewige Leben: Was kann uns da noch unter dem Blickwinkel der Ewigkeit passieren?

Heilsegoismus

Ja, Eucharistie soll uns das Leben bringen – nicht den Tod! Und da mir scheint, dass jene die gegen die Bischöfe aufstehen, um „ihre“ Eucharistie zu bekommen, für ihren Heilsegoismus bereit sind, über die Leichen anderer zu gehen, nur eine Frage:

Wenn du die Möglichkeit hast, das Leben eines ungeborenen Menschen zu retten, wenn du nicht in die Messe gehst, würdest du dann auf diese Messe verzichten?

Wenn wir an das Wort Jesu denken: „Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes tun oder Böses tun, Leben retten oder töten?“ – scheint mir die Antwort klar: Wir müssen Lebensretter und Lebensschützer für alle Menschen sein, ob ungeboren oder alt. Leben zu retten steht über dem Sabbatgebot. Das Evangelium fordert somit unseren Verzicht auf die eucharistische Gemeinschaft mit dem sakramentalen Leib Christi.

Wir heiligen den Tag des Herrn durch unser Opfer, nicht an der Eucharistie physisch teilzunehmen. Das erfordert Verzicht darauf, dass ICH meinen Gott für mich und mein Heil haben möchte – und fordert unter dieser besonderen Situation, mich zurückzunehmen, damit andere leben können. Wie bekomme ich einen gnädigen Gott – vollbepackt mit den Gnaden der Eucharistie, ist, wie diese Frage von Martin Luther zeigt, im Grunde ein protestantischer Zugang zur Eucharistie, der auf das Ich und das individuelle Heil reduziert ist. Sakramente haben immer eine gemeinschaftliche Dimension und zielen auf die Heiligung des ganzen Volkes Gottes, auf uns und nicht nur auf mich.

Wir statt ich

Das katholische Eucharistieverständnis zeigt uns, was „wir“ (oder auch Leiblichkeit) wirklich bedeutet: das Für-dich-da-Sein, das Füreinander-Einstehen, aber auch, dass für uns eingestanden wird. Die Priester feiern weiterhin die Eucharistie – nicht alleine, sondern mit der himmlischen Communio und nehmen die gesamte Welt mit hinein in das Opfer.

Mein Opfer, aus Liebe zum Nächsten nicht in die Messe zu gehen, vereinigt sich mit dem Opfer Christi in der Eucharistie.

Die Priester feiern stellvertretend für mich, für dich, für uns (das ist vielleicht ungewohnt, dass wir nicht selbst in die Stellvertretung gehen, sondern auch jemand anderer einmal für uns in die Presche springt – dass wir die Beschenkten sind, nicht die Jünger, die nachfolgen). Die Eucharistie nimmt die ganze Welt hinein, wir feiern die Eucharistie – wie gerne bin ich dabei, wenn es mir mitzufeiern geschenkt ist.

Eucharistisches Geschenk

Ich kann es eben nicht machen, dass Eucharistie gefeiert wird – es ist und bleibt ein Geschenk, was momentan mehr als deutlich wird. Und die Versuchung, dieses Geschenk an sich zu reißen – auch durch öffentlichen Druck auf Bischöfe durch das Unterstützen von Petitionen – widerspricht dem sakramentalen Geschenkcharakter der Eucharistie. Genauso widerspricht es einem Sakrament, wenn ich mich selbst beschenken möchte.

Und in die andere Richtung gesagt: Die Hauskirche zu entdecken, ist etwas Gutes – das aber in Konkurrenz zum Sakrament zu sehen, ist so klug, wie am eigenen Geburtstag sich selbst zu beschenken. Es ist letztlich eine in sich (oder einen Gruppenegoismus) geschlossene Tragik.

Meine Anwesenheit tut nichts zur Sache – so viel Demut muss sein

Ob ich jetzt physisch beim Messopfer dabei bin oder nicht, ändert nichts am sakramentalen Wirken, an der eucharistischen Präsenz des Herrn, die eine objektive ist und somit nicht von mir und meiner Anwesenheit abhängt. Und wenn ich aus Liebe zum Nächsten darauf verzichte, physisch anwesend zu sein, aber mich medial mit diesem Geschehen verbinde, dann ist es zwar nicht das Gleiche – wie es auch nicht das Gleiche ist, ob ich mit meiner Frau skype oder mit ihr im gleichen Raum spreche . Der Unterschied ist aber ein subjektiver für mich – denn gleich, wo sich meine Frau befindet, ist sie selbst ja immer objektiv, real und leiblich anwesend. Meine Anwesenheit kann zur Anwesenheit Christi nichts hinzufügen – ich persönlich profitiere davon, wenn ich zum Altar Gottes hinzutreten darf, und versehe meinen Dienst als Mitfeiernder.

In der Eucharistie kommt Gott zur Welt, gleich ob ich daneben stehe oder zu Hause sitze. Solange das passiert – und ich habe die begründete Hoffnung, dass die Priester momentan noch stärker und inniger stellvertretend für uns feiern – habe ich keine Sorge um das Heil der Welt – dank des katholischen Sakramentsverständnis von „ex opere operato“: das Heil hängt nicht von mir und meiner subjektiven Anstrengung ab, sondern Gott handelt zuverlässig und treu.

In Erwartung

Wir befinden uns also „in anticipation“, in Erwartung, dass wir wieder zum eucharistischen Herrn kommen dürfen. In Erwartung, dass Jesus sich um uns kümmert, wie Papst Franziskus eindrucksvoll sagte. Und ganz adventlich: In Erwartung seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten.

# Daher feiere ich am Livestream mit, weil ich mich da zumindest medial mit der Eucharistie verbinden kann.

# Ich unterschreibe keine Petitionen an Bischöfe.

# Ich schreibe keine Artikel, weil die Kirche nicht so systemrelevant zu sein scheint wie ein Bäcker. (Denn seit wann ist es die Aufgabe, irgendein weltliches System zu unterstützen – wo bleibt hier die Entweltlichung? Wie steht es mit der ganz anderen Logik des Reiches Gottes, in der jedes System der Umkehr auf dem Weg zum Reich Gottes bedarf?

# Ich schüre nicht innerkirchliche Richtungskämpfe durch Begriffe wie Retrokatholizismus – statt die Einheit zu fördern (untereinander und mit den Bischöfen) und uns zu ermahnen, weder in Todesangst noch in Heilsegoismus zu verfallen.

# Ich gönne es den Priestern, dass sie die Eucharistie feiern können (und ich nicht) – und fürchte mich nicht vor Privatmessen, vor denen sich nur jene fürchten können, die nicht an die Präsenz der himmlischen Communio glauben.

# Ich bewundere Priester, die in der jetzigen Zeit Kreativität zeigen, um priesterlich zu wirken – denn diese Kreativität ist auch ein Ausdruck Ihrer Liebe und Hingabe an uns.

# Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich wieder leiblich anwesend die Eucharistie mitfeiern kann, wie sich ein junger Ehemann darauf freut, seine Frau nach einer Dienstreise wieder in die Arme schließen zu können.

Ja, ich liebe die reale und leibhaftige Gegenwart Christi in der Eucharistie – und da schwingt sicher auch ein gewisser Heilsegoismus in mir mit, wenn ich mein Gewissen ehrlich erforsche.

Aber ich liebe es auch, dass der Herr in dieser Zeit weiterhin am Wirken ist, und er nicht aufhört, unser Kreuz in die Freude seiner Auferstehung zu verwandeln – das Geheimnis unseres Glaubens, das wir in jeder Messe bekennen dürfen.

Mit dem Lukasevangelium auf Ostern zu

Warum könnte dieses Angebot„Mit dem Lukasevangelium auf Ostern zu“ etwas für Sie sein?

Sie haben sicher schon viele Bücher gelesen und schon viele Stellen aus dem Evangelium gehört. Aber haben Sie schon ein ganzes Evangelium gelesen? Dieses Angebot ist eine gute Möglichkeit, diese Erfahrung zu machen und den eigenen persönlichen Zugang zum Evangelium und zu Jesus zu vertiefen.

Wie geht es praktisch?

Von Montag bis Freitag lesen Sie einen kleinen Abschnitt aus dem Lukasevangelium, ca. zwei Minuten brauchen Sie dafür. An Samstagen lesen Sie die Evangelienstelle, die am Sonntag in der Messe verkündet wird – damit wird die Reihenfolge ein wenig durchbrochen. In der Karwoche und der Osterwoche lesen Sie jene Teile im Evangelium, die genau zu dem Inhalt des jeweiligen Tages passen. Zwei Videos sind als Angebot eingefügt, damit Sie in aller Kürze einen Überblick über das Evangelium bekommen.

Für den Bibeltext empfehle ich

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Warum die Katholikenzahl nach menschlichem Ermessen noch schneller unter 50% in Österreich sinken wird und warum das nicht so sein müsste

In wenigen Jahren verliert die Kirche in Österreich ihre Bedeutung, die sie in Wirklichkeit heute schon verloren hat. Jedes Jahr wird die Kirche von Wien von knapp einem Prozent ihrer Mitglieder verlassen: 2000 50%, 2001 49%, 2016 35%. Verlieren die Katholiken in absoluten Zahlen alle fünfzehn Jahre 17% ihrer Mitglieder (2001: 764.101; 2016: 634.181, diese 130.000 Unterschied sind 17% der 2001 gezählten Katholiken), wäre die Katholikenzahl nach meiner Rechnung bei 440.000 Personen im Jahr 2046.

Dieser allzu pessimistischen Sicht widerspricht der Forschungsbericht „Religious Denominations in Austria: Baseline study for 2016 – Scenarios until 2046”(Link). Wenn ich das richtig sehe, werden mit Hilfe christlicher Zuwanderer Zahlen für den Rückgang an Katholiken und Evangelischen prognostiziert, die beiden schmeicheln dürften – für Wien rechnen die Wissenschaftlerinnen mit 480.000 bis 522.000 Katholiken. Ein gutes Fünftel. In dreißig Jahren könnten die Katholiken von den Muslimen in Wien überholt sein: 360.000 bis 730.000 Muslime gibt es in der 2 Mio.-Stadt. Diese Prognosen werden bewusst durch Schlagzeilen wie „Knapp Dreiviertel sind Christen“ oder „Anteil der Muslime bei 8 Prozent in Österreich“ ausgeblendet. Die Schlagzeile könnte auch lauten: „Katholiken bald nur mehr ein Viertel in Wien“ oder „Muslime bald größte Religionsgemeinschaft in Wien“. Könnte. Stattdessen lese ich: „Mehr Muslime, aber keine Islamisierung“. Vielleicht braucht die Islamisierung länger als befürchtet. Aber sie kommt – weil das Christentum (bis auf die Orthodoxen) schwächelt.

Dass Muslimsein oder Christsein unterschiedlich gelebt wird und auch Menschen ohne religiöses Bekenntnis eine Nähe zu ihrem früheren Glauben haben, wird in der Studie nicht berücksichtigt, wie Paul Zulehner zutreffend kritisiert. Aber wie sollte diese Nähe exakt gemessen werden?

Diejenigen aber, die die Struktur erhalten wollen (in den Mainstream-Medien als „Progressive“ benannt), meldeten sich gleich mit entsprechenden einlullenden Kommentaren, die den Verlust von Mitchristen als „biblischen Normalfall“ bagatellisierten und überhaupt ein nullbasiertes Denken vorschlugen: Was besser als 0 Prozent ist, ist ein Grund, „sich an den überschaubaren Erfolgen [zu] freuen“. Alles kann bleiben, wie es ist, denn wir haben alles im Griff, auf dem sinkenden Schiff:

Diese „0-Prozent“-Einstellung ist kein biblischer Normalfall, sondern Anti-Evangelium. (Genauso auch wie das ähnlich destruktive Bejammern der Zahlen). Das Evangelium freut sich nicht über 20% Katholiken, sondern möchte 100% Jünger Jesu. Keine nostalgische Erinnerung an frühere (und nicht mehr wiederkommende) Zeiten, sondern eschatologische Verheißung und letzter Auftrag Christi vor seiner Himmelfahrt: „Macht ALLE Menschen zu meinen Jüngern!“ Und nicht nur „viele“…
Die Aufgabe eines guten Pastors (oder Pastoraltheologen) wäre es, Wege zu zeigen, wie wir unsere Sendung (lat. missio) hinaus in die Welt leben können, um das Evangelium ALLEN zu verkünden: eine neue Evangelisierung für alle hundert Schafe, gerade wenn es mehr als ein verlorenes gibt. Neu im Eifer. Neu in der Methode. Neu in den Ausdrücken. Dazu braucht es mutige Hirten, mutige Theologen, mutige Katholiken. Fehlen diese, werden wir nach menschlichem Ermessen noch viel schneller weniger als 50% ausmachen.

Es geht aber nicht um Mitgliederzahlen oder Kirchenbeitragszahler. Das ist der große Irrtum der deutschsprachigen Kirche, sondern um die Frage, wie Menschen heutzutage zu einer Entscheidung für Jesus Christus herausgefordert und begleitet werden können. Es geht um eine echte Jüngerschaft, die diese Zahlen nicht als unveränderbares Gesetz hinnimmt, sondern um Jünger voller Sehnsucht, dass jeder in Österreich Christus kennen und lieben lernt. Diese neu entfachte Liebe wird einen Unterschied in den Zahlen machen und den berühmten X-Faktor in die Prognosen hineinbringen: den Christus-Faktor.

Die Kirche wird nicht untergehen. Ob sie in Österreich wie im einstmals christlichen Nordafrika untergehen wird, ist noch offen. Dazu braucht es entschiedene Jüngerschaft und eine missionarische Bewegung. Dringend. Denn die Liebe Christi drängt uns.

jahresheilige.at

Neuheidnische Bräuche gibt es rund um den Jahreswechsel zu genüge – daher ist es klug, bewusst auch katholische Bräuche zu leben. Die Koordinierungsstelle JAKOB der Österreichischen Bischofskonferenz lädt zum „Jahresheiligen ziehen“ ein. Wer mitmacht, lässt sich per Mausklick und „Zufall“ einen Heiligen schenken, mit Bild, Gedenktag und einem Link zu Schott-Messbuch (sofern vorhanden) und Heiligenlexikon.de. Davor empfiehlt sich natürlich ein Gebet, um in dem Zufall einen Fingerzeig Gottes erkennen zu können: Die Ärzte „Kosmas und Damian“ begleiteten meine medizinethische Diplomarbeit, die Theologen Anselm von Canterbury, Edith Stein und Johannes (der Theologe) meine Dissertation, die Patronin für Verlobte, Katharina von Alexandrien, meine Verlobungszeit,… – ich bin schon sehr gespannt, wer mich durch 2017 begleiten wird:

http://www.jahresheilige.at

Die Tagespost über die Zukunft der Kirche

Die Tagespost hat eine höchst lesenswerte Beiträge über die „Zukunft der Kirche“ in ihrem Feuilleton veröffentlicht, hier in meiner persönlichen Reihung:

Platz 3:

P. Karl Wallner schreibt, warum es „geistliche Orte“ braucht, die geistliche Erfahrungen ermöglichen, die aber auch als „Mission Camps“ fungieren: http://www.die-tagespost.de/feuilleton/forum/Orte-der-Gotteserfahrung-schaffen;art345,174759

Platz 2:

Johannes Hartl zerlegt gnadenlos die kirchensteuerfinanzierte Kirche in Deutschland (und wohl auch in Österreich) und zeigt ein pastorales Alternativmodell – ein „Pastoralspiegel“ der herausfordernden Art: http://www.die-tagespost.de/feuilleton/forum/Vom-Irrtum-niedrigschwelliger-Angebote;art345,174758

Das Rahner-Diktum vom mystischen Christen der Zukunft ist ebenso bekannt wie weitgehend folgenlos geblieben. Menschen, die heute spirituell auf der Suche sind, landen selten in christlichen Kirchen und dann noch am ehesten in Freikirchen. Der Spiritualitätsmarkt boomt derweil. Während die kirchlichen Mitarbeiter meist alle Hände voll damit zu tun haben, die Erwartungen geistlich nur oberflächlich interessierter Traditionschristen zu bedienen, fehlen Ressourcen, Sprachfähigkeit und pastorale Modelle, geistlich Suchende anzusprechen.

oder auch hier:

Die Versorgung durch die Kirchensteuer ermöglicht, dass höchst ineffektive Projekte, Strukturen, Behörden und Stellen jahrzehntelang weitergemacht werden, denn das Geld ist ja da. Sie bringt zwingend Unproduktivität hervor. Abhängigkeit von Gott und von Spendern hält Vision und Glauben frisch und zwingt zur ständigen Frage, ob es wirklich gelingt, Menschen anzusprechen. Die Beantwortung dieser Frage erfolgt ganz automatisch durch den Blick auf das Spendenkonto.

Platz 1:

Bernhard Meuser diagnostiziert ebenfalls messerscharf die Grundprobleme: http://www.die-tagespost.de/feuilleton/forum/Wie-sieht-die-Kirche-von-morgen-aus;art345,174765

Und wie die Kirche ihre Gestalt verloren hat, so hat auch das Leben des einzelnen Christen an Profil, Farbe, Format verloren. Man weiß nicht mehr, wofür das Christliche steht.

Seit mindestens zwei Generationen vermissen Katholiken in Deutschland katechumenale Prozesse, die sie in die Vollgestalt christlicher Existenz einführen, so dass man durch Partizipation und aus tiefster Überzeugung ein praktizierender Christ wird.

Was mir an Bernhard Meusers Artikel besonders gefällt, ist ein positiver und hoffnungsvoller Blick auf kirchliche Abwärtsbewegungen:

Diese Kirche und diese Art Christ zu sein stehen vor der Liquidation. Aber Liquidieren ist keineswegs schlimm. Es meint: Verflüssigen. Gefrorenes kann man verflüssigen; stehenden Gewässern tut Abfluss gut und faule Tümpel hören auf zu stinken, wenn sie in Fluss kommen. Jesus initiierte eine Lebensbewegung; ich wüsste nicht, dass er Bürokratien vorsah und Verwaltungstrakte ersehnte, auch nicht, dass er in Mt 25 an Sozialkonzerne dachte oder beim „Licht der Welt“ in Mt 5 an stilgerecht restaurierte Barockleuchter. Gebäude, selbst die herrlichsten Kathedralen, sind nicht essenziell für einen Gott, der mehr in den Herzen der Menschen Wohnstatt sucht als in repräsentativer Architektur. Vielleicht gibt es eine Art göttliche Abstoßungsreaktion, wo sich eine Kirche allzu glatt in der Welt eingerichtet und gegen transzendente Eingebungen immunisiert hat. Vielleicht zerbricht da gerade jemand unser Spielzeug?

Unser Heil hängt nicht an kirchlichen Diözesanstrukturen. Der praktische Beweis wird in den nächsten Jahren auch die deutschsprachigen Diözesen davon überzeugen, ihr Heil nicht in einer reibungslosen Organisation zu suchen, oder wie Papst Franzikus den deutschen Bischöfen sagte: „Es handelt sich um eine Art neuer Pelagianismus, der dazu führt, unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat.“ Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2015/11/20/ad_limina_der_deutschen_bisch%C3%B6fe_die_papstansprache/1188163

 

Habe Mut, dich deines eigenen Gewissens zu bedienen!

Mittlerweile finde ich Gefallen an der Bundespräsidentenwahl in Österreich. Wirklich. Ohne Ironie gesagt. Ich merke, wie viel ich selbst in diesen Monaten politisch lerne. Ich kann mich von meinem eigenen politischen Vorstellungen besser distanzieren, denn sie sind keine unverrückbaren Wahrheiten mehr – ich muss mich nicht mehr aufregen, wenn meine politischen Prioritäten kritisiert werden, denn sie sind vage Ahnungen und ungewisse Abwägungen, was für unser Land besser sein könnte. Woher ich das weiß? Ich vertraue hier auf mein Gewissen. Ich sammle Wissen und wäge es vernünftig ab. Ich unterscheide und entscheide nach bestem Wissen und Gewissen.

Eines meiner Lieblingszitat aus dem Zweiten Vatikanum zeigt mir, dass ich nicht alleine bin, wenn ich mich auf das gebildete Gewissen berufe, das ich zu unterschiedlichen politischen Einschätzungen gelangen kann und ich andere deshalb nicht sprachlich oder christlich abwerten muss:

Oftmals wird gerade eine christliche Schau der Dinge ihnen eine bestimmte Lösung in einer konkreten Situation nahelegen. Aber andere Christen werden vielleicht, wie es häufiger, und zwar legitim, der Fall ist, bei gleicher Gewissenhaftigkeit in der gleichen Frage zu einem anderen Urteil kommen.

Wenn dann die beiderseitigen Lösungen, auch gegen den Willen der Parteien, von vielen andern sehr leicht als eindeutige Folgerung aus der Botschaft des Evangeliums betrachtet werden, so müsste doch klar bleiben, dass in solchen Fällen niemand das Recht hat, die Autorität der Kirche ausschließlich für sich und seine eigene Meinung in Anspruch zu nehmen.

Immer aber sollen sie in einem offenen Dialog sich gegenseitig zur Klärung der Frage zu helfen suchen; dabei sollen sie die gegenseitige Liebe bewahren und vor allem auf das Gemeinwohl bedacht sein. (GS 43)

Wenn ich das Konzil ernst nehme, dann kann ich das Christentum nicht für den einen oder für den anderen Kandidaten in Beschlag nehmen, so als ob es nur schwarz oder weiß gäbe. Argumente wie „Ein Christ kann nicht Hofer wegen seiner Ausländerpolitik wählen“ oder „Ein Christ kann nicht Van der Bellen wegen seiner Abtreibungspolitik wählen“ machen diesen Denkfehler. Sie unterstellen, dass das Gewissen, das dem Evangelium verbunden ist, sich auf eine einfache Fragestellung reduzieren ließe. Hofer sei deutschnational, quasi ein Nazi, Van der Bellen sei Freimaurer und ein Kommunist; Kornblume da, faules Ei auf Schwangere dort – damit sei alles gesagt. Das sind demagogische Fehlurteile, da sie zu simpel sind. Diese Reduzierung der Wirklichkeit tarnt sich dann auch noch besonders als aufgeklärte Weltsicht und erklärt in Video-Serien Rhetorik-Tricks der Kandidaten. Ganz ehrlich: Wollen wir lieber Politiker, die rhetorisch eine Null sind? Stören uns die Rhetorik-Ausbildungen in der von uns selbst präferierten Partei auch?

Der zweite Irrtum, dem ich begegne, sind die Politik-Ketzer. Ketzer leitet sich von „Katharer“ ab, das sind wörtlich: die „Reinen“. Die, die sich politisch die Hände nicht schmutzig machen wollen und daher mit (scheinbarer) weißer Weste weiß wählen. Christlich gesagt: Die sich offensichtlich schwer tun, die sündhafte Welt mit ihren Sündern zu bejahen. Gott liebt das kleinste Übel? So ein Unsinn. Gott liebt uns trotz unserer Schuld und vor aller Leistung, er hat uns gut gemacht – jeden Menschen, daran kann auch die Erbschuld nichts ändern. Gott liebt uns. Können wir das gleichzeitig über beide Kandidaten sagen und denken – ohne in Zynismus zu verfallen: Das bräuchte der oder jener besonders dringend… Wenn sich Politiker erst dann engagieren könnten, wenn sie schon perfekt sind, gäbe es gar keine. Die schönste Frage im US-Wahlkampf an die beiden Kandidaten war für mich: Was schätzen Sie an Ihrem politischen Konkurrenten? Das führt weg vom Üblen hin zum Guten, das in jedem Menschen steckt und durch die eigenen Übel und Sünden hindurch wieder gewonnen werden muss.

Ein kleines Gedankenexperiment: Angenommen, Sie selbst kandidieren: Sind Sie dann nicht selbst nur „das kleinere Übel“? Sie kennen ja zu gut Ihre schwachen Seiten. Selbst wenn Sie verheiratet sind, würden Sie doch zu ihrer (vermutlich) nicht perfekten Frau sagen: „Ich habe dich gewählt (und geheiratet), weil du das kleinere Übel von allen Frauen warst.“ Dadurch wird es ja trotzdem Bereiche geben, von denen Sie sich distanzieren. Sei es in ihrer eigenen Persönlichkeit, bei Ihrem Partner, bei Ihrer Familie, bei Politikern. Niemand ist ein Übel, auch Hofer und Van der Bellen nicht. Ja, Hofer und Van der Bellen sind beide Sünder. Aber das ist der Papst auch. Ich auch. Und Sie vermutlich auch. Die beiden Kandidaten möge üble Positionen vertreten, sich übel verhalten, aber ein Mensch ist kein Übel. Nie. Das ist entwürdigend, so zu reden. Menschen sind auch keine Krankheiten wie „Pest oder Cholera“ – wobei Cholera medizinisch vorzuziehen wäre, da gut heilbar. Also ist die Wahl bei Pest und Cholera klar zu treffen.

Die Wirklichkeit ist komplexer. Daher ist die Versuchung groß, sich selbst auf Autoritäten zu beziehen oder sich selbst für eine Autorität zu halten, um eine vereinfachte Weltsicht zu verbreiten. Und das heißt im christlichen Kontext immer: dem anderen abzusprechen, ernsthaft dem Evangelium folgen zu wollen, auch wenn diese Nachfolge bewusst oder unbewusst geschieht. Daher geht es nicht an, dass Pfarrer und Aushilfsseelsorger, Bischöfe und Weihbischöfe, Universitätsprofessoren und -lektoren, Leiter von Gemeinschaft oder Bewegungen, Vorsitzende von kirchlichen Vereinen oder Dienststellen, auf das Autoritätsargument zurückgreifen und vorgeben, was das Gewissen zu wählen habe. Schon allein aus Respekt vor den anderen 50%, die anwesend sind.

Im US-Wahlkampf verstiegen sich mit dem Autoritätsargument berühmte Schauspieler zu dem verlinkten Video. Die beste Antwort auf diesen plumpen Versuch eines säkularen Autoritätsarguments ist das folgende Video, das die Problematik von Wahlempfehlungen auf den Punkt bringt: Die Leute werden für blöd verkauft, aber sie durchschauen das – die Abneigung gegenüber dem Establishment, dem System steigt:

(Bewusst bringe ich das Video erst nach der US-Wahl, weil ich, siehe den roten Faden dieses Beitrags, kein Autoritätsargument vorbringen möchte. Meine Aussage würde auch funktionieren, wenn Clint Eastwood & Co. ein Video für Trump gemacht hätten, und darauf geantwortet worden wäre.)

Die US-Wahl brachte für mich jene Journalistin auf den Punkt, die sagte:

„Die Wähler nehmen Trump ernst, aber nicht wörtlich. Die Journalisten nehmen Trump wörtlich, aber nicht ernst.“

Es gibt in unserer westlichen Gesellschaften eine Defragmentierung, der innere Zusammenhalt fehlt zunehmend, weil niemand mehr den anderen verstehen möchte. Also wirklich. Blöd,ungebildet, rassistisch, ängstlich, politisch extrem, dialogfeindlich oder ideologisch verblendet sind immer die anderen – dabei, ganz ehrlich, könnte ich das nicht genauso sein? Ein klein bisschen vielleicht auch?…

Genau das scheint das Problem zu sein: Die einen verstehen die anderen nicht mehr, weil sie sich nicht aus ihrer Komfortzone trauen und weil sie die Sprache und Begriffe (samt der dahinter liegenden Konzepte) der anderen nicht mehr verstehen wollen. Es zählt nur das Gefühl – postfaktisch, da von der Fülle der Fakten erschlagen und ohne innere Orientierung. Dazu kommt die paranoide Verdächtigung, dass die andere Seite ihre Macht missbraucht und Menschen manipuliert. Da diskutieren Van-der-Bellen-Anhänger, ob die Maßnahme gegen einen Priester, der sich für Van-der-Bellen ausgesprochen hat, nicht zeigt, wie rechts die Kirche ist, – gleichzeitig die Hofer-Anhänger, ob die Maßnahme gegen einen anderen Priester, der sich für Hofer ausgesprochen hat, nicht zeigt, wie links die Kirche ist. Beide fürchten sich vor den anderen, schieben sie in Schubladen, urteilen über die anderen und ihre Motive, ohne sie zu kennen – und das, obwohl klar ist, dass Christus König ist. Seine Herrschaft wird sich in dieser Welt durchsetzen – und sie wird nicht parteipolitisch zuzuordnen sein, sondern über Parteipolitik stehen. Weil Christus jeden Sünder erwählt, der sich ihm zuwendet, der sich – politisch unkorrekt – bekehrt, und in den ewigen Austausch der Liebe der Dreifaltigkeit eintritt. Ohne Bekehrung – und damit ist zuallererst die eigene gemeint – kein Himmel.

Gerade jene, die so gerne von Dialog reden, entfreunden zuerst auf Facebook alle die, die politisch anders denken, um dann in der eigenen Blase Werbung für den dort unumstrittenen Kandidaten zu machen. Das ist tragisch, eine Form von kollektivem Selbstgespräch und leider kein Einzelfall.

Sehr überzeugend hat das Projekt „Valerie und der Priester“ diesen Aspekt des Einübens in das Verstehen betont:

Wir beide zeigen aber auch nur stellvertretend, dass es viele Menschen auf dieser Welt gibt, über die wir nichts wissen und uns trotzdem oft ein Urteil bilden. Vielleicht, weil wir einfach selten ins Gespräch miteinander kommen. Vermutlich würde die Kommunikation oft funktionieren, aber man hört zu wenig hin. Nicht aus Bosheit, sondern weil es anstrengend ist oder einfach aus Zeitgründen. Deswegen hat das Projekt für mich auch eine politische Dimension. Es hat mir gezeigt, wie wichtig zuhören ist, in allen Lebensbereichen. […] Was passiert, wenn wir das nicht tun, hat mir die US-Wahl gezeigt. Nach viel Schock und Fassungslosigkeit war vielleicht mein fünfter Gedanke: Zum Glück machen wir „Valerie und der Priester“. Sich zuhören, auch wenn es schwer ist, verstehen versuchen, ohne Vorurteile — das ist so verdammt wichtig.

Wen von beiden ich am 4. Dezember wählen werde? Nach dem Gesagten kann ich nur sagen: wer bin ich, eine Wahlempfehlung abzugeben? Das werde ich hier sicher nicht schreiben, sondern ich ermutige dazu, tiefer in das Wesen von Politik einzudringen: Politiker als fehlbare Menschen, die eigene politische Ansichte als momentane (Fehl-)Einschätzung relativieren und im Gebet vor Gott sein Gewissen schärfen und dem Gewissen und nicht Autoritäten folgen. Und jeder, der sagt, es sei eindeutig, dass nur der oder der zu wählen ist, der übersieht, dass es so viele Aspekte gibt, die es alle abzuwägen gilt. Der muss sich den Vorwurf zu machen, ideologisch statt politisch zu sein.

Ich werde nach bestem Wissen und Gewissen abstimmen – aber nicht, weil irgendeine Autorität oder Facebook-Blase mich zu dieser oder jener Entscheidung drängt. Als politisch aufgeklärter Mensch kann ich in Anlehnung an Immanuel Kant nur sagen:

Habe den Mut, dich deines eigenen Gewissens zu bedienen!

 

Vom Verlust des Heiligen und von der Sehnsucht nach Aufbruch

Bischof Stefan Oster legt eine exzellente und lesenswerte Analyse der gegenwärtigen Situation vor. In einer schonungslosen Klarheit legt er seinen Finger auf die wunden Punkte der gegenwärtigen Situation, in der das Heil zu erstreben, weltfremd klingt.
Wohin soll unsere Kirche gehen? Die Antworten von Bischof Oster sind auch nur vage Richtungsangaben, grobe Eckpfeiler, die wohl erst im Fortschreiten von der Volkskirche hin zur Entscheidungskirche deutlicher sichtbar werden.
Hier ein paar Zitate, die Appetit auf den ganzen Text in seinem gesamten Umfang machen sollen:

Der fast gänzliche Verlust einer Erfahrung von Ehrfurcht, Heiligkeit und Transzendenz geht einher mit einer Art gleichgültiger Hoffnungslosigkeit: Es glaubt kaum einer, dass die Begegnung mit dem Heiligen zu einer anderen inneren Haltung führt, es hofft wohl auch niemand mehr, dass sich die Erfahrung des Heiligen einstellen könnte – und daher wird es auch nicht vermisst: „Wir machen einfach weiter so wie immer.“

Eines der Hauptprobleme von damals für heute dürfte im Nachhinein sein, dass mit der großen und neuen „Weltoffenheit“ der Priester, der Ordensleute und der Kirche überhaupt der vom Konzil so betonte Heilsuniversalismus der Frohbotschaft („Christus ist für alle Menschen gestorben“) heimlich aber sehr wirkungsmächtig in eine Art „Heilsautomatismus“ umgekippt ist: Wenn Gott alle Menschen liebt und für alle gestorben ist, dann werden sicher auch alle erlöst, automatisch!

Ich frage mich ständig, warum eigentlich kaum einer sieht oder artikuliert, wie wenig fruchtbar die liberalen Ansätze heute sind: Wenn zum Beispiel unsere 500 000 Caritas-Mitarbeiter in Deutschland wirkliche Zeugen der Liebe Christi wären, dann müssten die Kirchen im Grunde voll sein von Menschen, die die Quelle dieser Liebe auch kennen lernen und zum Beispiel in der Eucharistie empfangen wollen.

Auch die so genannten Konservativen sind oft nicht fruchtbarer. Sie beharren zwar vielfach auf Dogma und Liturgie, aber nicht selten ist auch bei ihnen wenig zu erleben von einem wirklichen liebenden Dienst am Nächsten. Die bloße Beharrung auf einer satzhaften Wahrheit und korrekten Liturgie macht noch längst nicht das eigene Herz größer und weiter.

Aber Kirche von innen her gesehen ist im Herzen und Ursprung die Mutter des Herrn – ist Kirche als personaler, lebendiger Wohnort Gottes mitten in der Welt. Und je kirchlicher ein Mensch in diesem (!) Sinn wird, umso mehr wird er selbst teilhaftig dieses Geheimnisses: Wohnort Gottes in der Welt zu sein und geheiligt zu werden.

Die Pfarreien der Zukunft werden veränderte Pfarreien sein: Kleinere Einheiten von ernsthaft Gläubigen in einer größeren Pfarreinheit vereint. „Gemeinschaft von Gemeinschaften“ hat Bischof Klaus Hemmerle von Aachen schon vor Jahrzehnten formuliert: Gruppen von ernsthaft interessierten Christinnen und Christen, die sich wochentags zu Gebet, Glaubensvertiefung und diakonischem Engagement zusammen finden – und die im Bewusstsein leben, sonntags in der Eucharistie Teil des Leibes Christi sein zu dürfen – in einer Liturgie, die aus gläubigem Herzen kommt und aus dem Bemühen, unserem Gott auch das Beste schenken zu wollen, was wir haben und können.

Der Herr liebt die kleinen Anfänge, die Senfkörner – und er wird die Heiligen von morgen erwecken, die die Kirche ihren eigentlichen Auftrag neu entdecken lassen: Zum Lob Gottes da zu sein und da zu sein als Zeugin seiner erlösenden Barmherzigkeit für die Welt.

Bilder einer trauernden Familie

In dieser Woche ein Link zu berührenden Bildern einer Familie, die eine Fehlgeburt ihres Kindes durchleiden – auch mit Bildern ihres toten Babys. Bilder, die die Drehbuchautoren von 24 Wochen sehen hätten müssen. Angesichts solcher Bilder erübrigen sich auch Diskussionen über Abtreibung in Polen oder innenpolitische Auseinandersetzungen über längst fällige Eintragungen im Personenstandsregister.

https://www.facebook.com/forevercharmedphotography/photos/?tab=album&album_id=972547109540990

Vaterwunde

„Good good father“ war das Motto der diesjährigen Herbsttage der Loretto-Gemeinschaft. Zu Gast war auch Kardinal Schönborn. Wie ist es, einen guten Vater zu haben – wie ist es, einen solchen nicht zu haben? Unser Kardinal lässt sehr tief und persönlich in seine eigene Seele blicken. Seine Antwort berührt, weil sie zeigt, wie wichtig die Beziehung zu seinem eigenen Vater ist. Und wie sehr sie das ganze Leben prägt. Absolute Empfehlung, sich diese Antwort anzuhören: